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Ein Name, eine Persönlichkeit, ein Mensch, an den man sich in Krefeld gar nicht oft genug erinnern kann, lautet Dr. Isidor Hirschfelder. Dem bekannten Kinderarzt, der hier praktiziert und seine Spuren hinterlassen hat, haben so manche Vorfahren hiesiger Bürgerinnen und Bürger ihre Gesundung bzw. Gesundheit zu verdanken.

Geboren wurde der bekannte Kinderfacharzt am 11. März 1878 in württembergischen Rexingen bei Horb am Neckar als ältester Sohn eines jüdischen Viehhändlers. Dort besuchte er auch die Volksschule. Nachdem er am Gymnasium in Tübingen das Abitur bestanden hatte, studierte Isidor Hirschfelder in Freiburg, München und Berlin Medizin.
1906 nahm er seine Tätigkeit als Kinderarzt in Krefeld auf und kehrte auch wieder hierhin zurück, nachdem er als Oberstabsarzt im Ersten Weltkrieg seinen Dienst verrichtet hatte. Bereits bekannt als Förderer und Unterstützer des 1908 aus der Taufe gehobenen „Vereins für Säuglingsfürsorge in Crefeld e. V.“ – später umbenannt in: „Krefelder Frauen-Verein für Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge“ – war er noch im ersten Kriegsjahr mit anderen „Mitstreitern“ beteiligt an der Gründung des Säuglingsheims in der Petersstraße 71, das am 2. August 1914 eröffnet wurde. Seinen unermüdlichen Einsatz in diesem Hause leistete er über mehr als 20 Jahre rein ehrenamtlich. 1918 gründete er eine Schule für Säuglingspflege, die von Beginn an sehr gut besucht wurde. Seine private Kinderarztpraxis befand sich am Ostwall 148, wo sich heute auch ein so genannter „Stolperstein“ befindet.

Nachdem Isidor Hirschfelder schon unverzüglich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 seinen Posten als Krefelder Schularzt verloren hatte und ihm auch die Kassenzulassung entzogen worden war, folgte im Dezember des Jahres das Arbeitsverbot im Säuglingsheim und schon bald darauf der Verlust des Doktortitels. Am 29. Oktober 1941 entzog der 63jährige, äußerst verdienstvolle Krefelder Mitbürger sich seiner Deportation nach Riga durch Freitod. Sein Grabstein Auf dem neuen jüdischen Friedhof bezeichnet ihn eindrücklich und beinahe schlicht als „Freund und Helfer“. Noch wichtiger aber ist, dass die Krefelderinnen und Krefelder bis heute das Andenken an den verdienstvollen Menschen und Mediziner mit ihren Erzählungen in hohen Ehren halten und damit die Erinnerung wachhalten!

Dr. Julia Obladen-Kauder

Literatur
Ernst Köppen, Isidor Hirschfelder. Arzt und Helfer der Kinder. In: Die Heimat Jg. 43, 1972, S. 173-174;
Marianne Gatzke, Ein nicht alltäglicher Frauenverein. In: Die Heimat Jg. 44, 1973, S. 95-99;
Wilhelm Kosenow, Krefelds Kinderklinik. In: Die Heimat Jg. 63, 1992, S. 66-76;
Christoph Schürmann, Dr. Isidor Hirschfelder. In: Die Heimat Jg. 85, 2014, S. 195-201.