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Im September 1821 wurde der angeblich größte und schönste Turm der Stadtbefestigung, der Evertsturm, zum Abriss freigegeben. Er war als Halbturm im Westen der Krefelder Altstadt in die alte Stadtmauer eingebunden. Davor lag der Stadtgraben. Sein damaliger Standort befindet sich an der Einmündung der Evertsstraße in die Wiedenhofstraße. Seinen Namen erhielt er von der alteingesessenen Patrizierfamilie Everts.

Standort des Evertsturmes an der Einmündung zur Wiedenhofstraße | Bildurheber: Julia Obladen-Kauder
Standort des Evertsturmes an der Einmündung zur Wiedenhofstraße | Bildurheber: Julia Obladen-Kauder

Der Turm fiel der neuen Stadtplanung mit ihren Erweiterungen zum Opfer und wich einem Straßendurchbruch bzw. einer Verlängerung der Evertsstraße in Richtung Schwanenmarkt. Deren Anwohner waren für den Abbruch von Turm und umgebender Stadtmauer verantwortlich. Diesbezüglich hatte Landrat Cappe in einem Gutachten an die Stadtverwaltung festgestellt: „Wenn der Evertsturm beibehalten werden soll, bedarf er bedeutender Reparaturkosten. M. E. ist der Turm … auf Abbruch zu verkaufen …“. So geschah es dann auch: Das Steinmaterial ging für geschätzte 60 Thaler in andere Hände über.
Eine Brücke, die in der Verlängerung der Evertsstraße über den Stadtraben in Richtung Innenstadt führen sollte und für deren Bau ebenfalls die Anwohner zuständig waren, wurde von Stadtplaner Adolph von Vagedes persönlich genehmigt. Voraussetzung war, „dass …“ sie „… keinen Rücken [Wölbung] in das Straßenbild bringe und die Brückenbahn zwischen den mit 6 Zoll dicken Quadern zu deckenden Brustmauern die ganze Breite der neuen Straße befasse“.
Heute erinnert im Straßenbild nichts mehr an den ehemaligen Evertsturm bzw. die Stadtbefestigung und das Gebiet nördlich davon ist durch den Siebziger-Jahre-Bau des Parkhauses völlig verfremdet.

Dr. Julia Obladen-Kauder

Literatur
Georg Opdenberg, Stadtrundgang durch das mittelalterliche Krefeld; in: die Heimat, Jg. 68, 1997, Seite 122-130;
Karl Rembert, „Wassersorgen“ im alten Krefeld; in: Die Heimat, Jg. 22, Heft 1-2, Seite 50-53;
Der Evertsturm und Letzte Worte des Evertsturmes; in: Die Heimat, Jg. 1, Heft 1, Seite 48;
Guido Rotthoff; in: Krefeld. Die Geschichte der Stadt. Von der Frühzeit bis zum Mittelalter (Krefeld 1998), Seite 332-335.

Zimmermann, Die Heimat, Jg. 1, Heft 1, 1921, Seite 48
Zimmermann, Die Heimat, Jg. 1, Heft 1, 1921, Seite 48
Plan (Ausschnitt): Georg Opdenberg, die Heimat, Jg. 68, 1997, Seite 126
Plan (Ausschnitt): Georg Opdenberg, die Heimat, Jg. 68, 1997, Seite 126
Plan (Ausschnitt): Georg Opdenberg, die Heimat, Jg. 68, 1997, Seite 122
Plan (Ausschnitt): Georg Opdenberg, die Heimat, Jg. 68, 1997, Seite 122
Gemälde Heinrich Koch (1804-1893): Die Heimat, Jg. 1, Heft 1, 1921, Seite 48
Gemälde Heinrich Koch (1804-1893): Die Heimat, Jg. 1, Heft 1, 1921, Seite 48