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Wer sehnt sich nicht danach, einmal wieder bei angenehmen Temperaturen in der schönen Umgebung Krefelds zu wandern, die Natur und vielleicht auch die eine oder andere kulturelle Landmarke zu entdecken oder erneut aufzusuchen?

Eremitenquelle, Foto: Dr. Julia Obladen-Kauder

Da bietet sich ein Ausflug zum Hülser Berg geradezu an – ein Relikt aus der vorletzten Kaltzeit, als das Inlandeis die vor sich hergeschobenen Geröllmassen hier aufgestaut hat. Diese so genannten Endmoränen finden sich am linken Unteren Niederrhein bis in den Raum Nijmegen hinein und wurden schon vor tausenden von Jahren gerne als Siedlungsplatz ausgewählt. In der Verlängerung der Fahrstraße „Talweg“ führt am Fuße des Osthangs der Erhebung ein Waldweg gleichen Namens in Richtung Süden. Nach ca. 50-100 m biegt ein Pfad rechter Hand geradewegs nach oben, wo ungefähr auf halber Höhe, die Eremitenquelle liegt.
Es gibt mehrere Geschichten über ihren Namen: Er soll auf einen Einsiedler zurückgehen, der für seine heilkundige Behandlung von Menschen in der Umgebung bekannt war. Oder: Ein mit einem Fluch behafteter Ritter habe die Quelle per Hand ergraben müssen, um dem Teufel nicht ausgeliefert zu werden, nachdem er seine Frau ermordet hatte. Danach errichtete er eine Eremitenklause, von wo er den Menschen hilfreich zur Seite stand. Weitere Namen der Quelle sind „Jungfernpförtchen“ oder „Jungfernpöttchen“. Dies lässt an eine Verbindung mit Vermählungs- oder Fruchtbarkeitsriten denken.

Die Steineinfassung der Quelle wurde 1901 erbaut. Dieses Datum ist auf einem Inschriftenstein der Einfassung festgehalten, zusammen mit der Bezeichnung „Quelle des Eremiten“. Das Wasser, das bei ausreichendem Niederschlag hier sozusagen durch undurchlässige tonige Untergrundschichten gesammelt wird, tritt über eine steinerne Rinne aus. Oft ist die Quelle heutzutage allerdings mangels Niederschlägen vorübergehend versiegt.

Foto: Dr. Julia Obladen-Kauder

Rund 50 Meter südlich der Eremitenquelle, jedoch ohne erkennbaren inhaltlichen Bezug dazu, existieren noch Reste einer eisenzeitlichen Befestigungsanlage. 1908-11 führte Prof. August Oxé hier Grabungen durch und legte ausschnitthaft einen Wall mit einem Doppelgrabensystem frei. Reste verbrannter Hölzer ließen auf eine kastenförmige fachwerkartige Holzkonstruktion schließen, die einstmals auf dem Wall errichtet und später durch ein Schadensfeuer zerstört worden war.
Viel Spaß beim Wandern wünscht Ihnen
Dr. Julia Obladen-Kauder

Literatur
Stefan Kronsbein, „Eremitenquelle am Hülser Berg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-115816-20150227-4 (abgerufen am 25. Mai 2021)
Stefan Kronsbein in: „die Heimat“ 50, 1979, S. 56-58;
Bonner Jahrbücher 119, 1910, Berichte über die Tätigkeit der Provinzialmuseen in der Zeit vom 1. April 1908 bis 31 März 1909. S. 77f.;
Bonner Jahrbücher 122, 1913, Berichte über die Tätigkeit der Provinzialmuseen in der Zeit vom 1. April 1910 bis 31 März 1911. S. 65.