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Nun erstrahlt das weit über die Grenzen der Stadt bekannte Krefelder Rathaus, das zuweilen mit dem „Weißen Haus“ in Washington verglichen wird, wieder in frischer Aufmachung. Für veranschlagte knapp zwei Millionen Euro wurde das einstige „Stadtschloss“ der Familie von der Leyen in den vergangenen Monaten saniert und renoviert.

Krefelder Rathaus Foto: Dr. Julia Obladen-Kauder
Krefelder Rathaus Foto: Dr. Julia Obladen-Kauder

Den Vorplatz hat man mit einer neuen Pflasterung versehen. Eine Tendenz zur innerstädtischen Flächenversiegelung ist nach der Herrichtung des Josef-Beuysplatzes/Karlsplatzes Ende letzten Jahres leider nicht zu übersehen.

Das Stadtschloss wurde 1791 bis 1795 im Auftrag des preußischen Textilfabrikanten mennonitischen Glaubens Peter von der Leyen von dem Architekten Martin Leydel erbaut. Zuvor wurde einem Abbruch der westlich vorgelagerten Stadtmauer stattgegeben, um das so erweiterte Grundstück in die gärtnerische Gesamtgestaltung mit einzubeziehen. Später wurde der hier angelegte Park gegen den Willen der Familie von der Leyen durch den Westwall durchschnitten. Die Liegenschaft bestand aus einem zentralen Hauptgebäude und zwei separat stehenden Seitenflügeln, die zusammen eine u-förmige Anlage bildeten. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein wurden in Krefeld die Geschäfte aus Verwaltung und Politik in einem Gebäude mit bescheidenen Räumlichkeiten am Schwanenmarkt geführt. 1860, nach dem Tod der letzten Bewohnerin, Maria von der Leyen (1768-1857), kaufte die Stadt das Anwesen zum Preis von 25.000 Reichstalern und ließ das Gebäude für weitere 60.000 Taler umbauen bzw. herrichten.

Bis in die 1930er Jahre hat man die Liegenschaft durch den Anbau mehrerer Gebäudeflügel erweitert: 1891 entstand der nordwestliche Anbau durch Johann Burkart, 1934-36 der südwestliche Trakt durch Josef Walther Hollatz. Beim großen Luftangriff auf Krefeld wurde das Rathaus 1943 fast vollständig zerstört, nur ein Teil der Außenmauern blieb erhalten. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte sich zweckmäßig an den Bedürfnissen einer modernen Stadtverwaltung, unter Wahrung der klassizistischen Optik. Im Bereich zur St. Antonstraße hin entstand Mitte der 1950er Jahre die bekannte Erweiterung des Bauhausschülers Hans Volger – seit 1952 Leiter des städtischen Hochbauamtes. In den 1980er Jahren errichtete man im Norden einen weiteren Trakt. Die Sanierung der Jahre 2020-21 umfasst die Erneuerung der Fenster und des Daches sowie die Renovierung der Fassade.

Einen schönen Stadtspaziergang wünscht Ihnen
Dr. Julia Obladen-Kauder

Literatur
Karl Rembert, Das Rathaus zu Krefeld. Die Heimat Jg. 1, Heft 1, 1921, S. 1-9;
Hans-Peter Schwanke, Architekturführer Krefeld (Krefeld 1996) S. 242-243;
Reinhard Feinendegen u. Hans Vogt (Hrsg.), Die Geschichte der Stadt Krefeld, Band 4 (Krefeld 2003) S. 551-552.